Ratgeber

Wassersäule und Atmungsaktivität erklärt

Hersteller geben bei Regenjacken oft eine Wassersäule in Millimetern und manchmal einen RET-Wert an. Was die Zahlen bedeuten, erklärt der Deutsche Alpenverein (DAV) im Beitrag „Wie funktioniert das: Wetterschutzbekleidung“ (zuerst erschienen in DAV Panorama 01/17, Stand der Seite 26.07.2023, abgerufen am 27. Oktober 2026). Die Klassen der Norm für Regenschutzkleidung nennen wir nicht, weil die Norm nicht frei zugänglich ist.

Stand Oktober 20263 Min. Lesezeit
Wassertropfen perlen auf einem blauen Stoff ab

Was die Wassersäule misst

Die Wasserdichtigkeit eines Stoffes wird laut DAV in „Millimetern Wassersäule“ (mm WS) angegeben. Vereinfacht gesagt: Je höher die Wassersäule, desto mehr Wasserdruck hält der Stoff aus, bevor Wasser durchdrückt. Ein Wert gilt für den Stoff, nicht automatisch für die ganze Jacke. Undichte Nähte, Reißverschlüsse oder eine abgenutzte Stelle können Wasser durchlassen, auch wenn der Stoff dicht ist.

Ab wann ist eine Jacke wasserdicht?

Der DAV beschreibt, dass der Druck auf den Stoff beim Tragen steigt, etwa durch Sitzen, Knien oder Rucksackträger. Deshalb empfiehlt laut DAV die Eidgenössische Materialprüfanstalt (Empa) in St. Gallen für wasserdichte Stoffe mindestens 4.000 mm Wassersäule. Diese Zahl ist eine Empfehlung eines Prüfinstituts, keine gesetzliche Grenze.

Angabe Bedeutung laut DAV
Wassersäule (mm WS) Maß für die Wasserdichtigkeit des Stoffes
mindestens 4.000 mm WS Empfehlung der Empa für wasserdichte Stoffe, weil Druck beim Tragen steigt
RET-Wert Wasserdampfdurchgangswiderstand: je kleiner, desto atmungsaktiver
RET unter 6 sehr gute Atmungsaktivität
höchstens 5 l/m²/s Luftdurchlass gilt als winddicht

Was der RET-Wert sagt

Der RET-Wert gibt laut DAV an, wie gut Schweißdampf durch das Material nach außen gelangt. Er beschreibt einen Widerstand: Ein kleiner Wert bedeutet, dass der Dampf leichter durchkommt. Werte unter RET 6 stehen laut DAV für sehr gute Atmungsaktivität, besonders gute Materialien liegen unter RET 0,5.

Auch hier gibt es eine Grenze: Atmungsaktivität betrifft laut DAV nur Dampf. Schweiß, der schon Tropfen gebildet hat, wird wie Regenwasser zurückgehalten. Wer stark schwitzt, wird deshalb auch in einer sehr atmungsaktiven Jacke feucht. Belüftungsreißverschlüsse und das Ausziehen von Schichten helfen, siehe Zwiebelprinzip.

Winddicht und wasserabweisend

Als winddicht gelten laut DAV Textilien, die höchstens fünf Liter Luft pro Sekunde durch einen Quadratmeter Stoff lassen. Wind verstärkt laut DAV das Kältegefühl, weil er Wärme von der Haut wegträgt und Schweiß schneller verdunsten lässt.

Wasserabweisend heißt nicht wasserdicht. Der DAV unterscheidet beide Begriffe ausdrücklich. Den Oberstoff von Membranjacken rüsten Hersteller laut DAV wasserabweisend aus. Lässt er Wasser durch, rät der DAV zum Nachbehandeln, siehe Imprägnieren.

Grenzen der Herstellerangaben

  • Wassersäule und RET beschreiben den Stoff, nicht die fertige Jacke.
  • Wenn Sie Modelle vergleichen wollen, fragen Sie beim Hersteller nach, wie gemessen wurde.
  • Für die Dichtigkeit der Jacke zählen auch Nähte und Verarbeitung, siehe Regenjacke.

Häufige Fragen

Ab wie viel Wassersäule ist eine Jacke wasserdicht?

Laut DAV empfiehlt die Empa in St. Gallen mindestens 4.000 mm Wassersäule, weil beim Tragen zusätzlicher Druck entsteht.

Ist ein niedriger oder hoher RET-Wert besser?

Ein niedriger. RET ist ein Widerstand; unter RET 6 steht laut DAV für sehr gute Atmungsaktivität.

Warum bin ich trotz atmungsaktiver Jacke nass?

Atmungsaktive Stoffe lassen laut DAV nur Schweißdampf durch. Schweißtropfen bleiben in der Jacke.

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