Ratgeber

Zwiebelprinzip: Kleidung in drei Schichten

Der Zwiebel-Planer oben schätzt aus Starttemperatur, Höhenunterschied und Wind, wie kalt es unterwegs wird, und schlägt Schichten vor. Die Rechenregeln stammen vom Deutschen Wetterdienst (Wetterlexikon „Standardatmosphäre“) und vom US National Weather Service (Wind Chill), die Schichtlehre vom Deutschen Alpenverein (DAV), alles abgerufen am 27. Oktober 2026. Die Schichtvorschläge sind Faustwerte. Prüfen Sie vor jeder Tour den Wetterbericht des DWD.

Stand Oktober 20263 Min. Lesezeit
Wanderer schließt auf dem Gipfel den Reißverschluss seiner Jacke

Zwiebelprinzip: Welche Schichten brauche ich?

Temperatur am Ziel
Gefühlt am kältesten Punkt

Schichten (Faustwert)

Oberkörper
Beine
Kopf und Hände

Temperatur am Ziel: Abnahme um 0,65 K je 100 m Höhe nach der Standardatmosphäre (DWD Wetterlexikon „Standardatmosphäre“). Bei Inversion, etwa bei Hochdrucklage im Winter, kann es oben wärmer sein. Gefühlte Temperatur bei höchstens 10 °C und Wind ab 5 km/h nach der Wind-Chill-Formel des US National Weather Service in metrischer Form (NWS „Wind Chill“, DWD Wetterlexikon „Wind Chill-Effekt“), sonst gleich der Lufttemperatur. Die Schichtgrenzen sind ein Faustwert ohne Primärquelle. Faustwert, Wetterbericht des DWD prüfen.

Die drei Schichten

Der DAV gliedert Bergsportkleidung im „Zwiebelschalenmodell“ in drei Kategorien (Beitrag zu Fleece-Oberteilen, Stand 31.01.2024):

Schicht Aufgabe Beispiele laut DAV
Basisschicht Schweiß von der Haut wegleiten Funktionsunterwäsche aus Merinowolle, Polyester oder Mischgewebe
Wärmeschicht Wärme halten, Feuchtigkeit weitergeben Fleece, Merino, Jacken mit Daune oder Kunstfaser
Außenschicht Wind und Regen abhalten Softshell bei kühlem, windigem Wetter, Hardshell bei Regen

Laut DAV funktioniert Baumwolle in diesem System nicht, auch nicht als Mittelschicht, weil sie Schweiß aufsaugt und nicht weitergibt. Wie sich Softshell und Hardshell unterscheiden, lesen Sie unter Softshell oder Hardshell.

So warm wie nötig

Der DAV fasst das Prinzip so zusammen: so warm wie nötig, so frisch wie möglich. Wer schwitzt, friert beim Stehenbleiben eher. Deshalb rät der DAV:

  • wärmende Teile ausziehen, bevor Sie richtig schwitzen
  • bei intensiver Bewegung lieber mit einer Schicht weniger starten
  • in der Pause zuerst Wärme- und Windschutz wieder anziehen
  • Wechselkleidung mitnehmen, weil auch gute Kleidung durchschwitzen kann

So rechnet der Zwiebel-Planer

Temperatur am Ziel: In der Standardatmosphäre nimmt die Temperatur laut DWD um 0,65 Kelvin je 100 Meter Höhe ab. Bei 10 °C am Start und 1.000 Metern Aufstieg ergibt das rechnerisch 3,5 °C am Ziel. Das ist ein Mittelwert. Bei einer Inversion ist es oben wärmer als unten; sie entsteht laut DWD (Thema des Tages vom 19.10.2017) unter anderem durch absinkende Luft in einem Hochdruckgebiet.

Gefühlte Temperatur: Wind lässt Kälte stärker wirken. Der Planer nutzt die Windchill-Formel des US National Weather Service in metrischer Form. Laut NWS gilt sie nur bei Lufttemperaturen bis 50 °F (10 °C) und Wind über 3 mph (etwa 5 km/h). Ein Beispiel: −5 °C bei 25 km/h Wind ergeben nach der Formel etwa −12 °C gefühlte Temperatur.

Schichten: Der Planer nimmt die gefühlte Temperatur am kältesten Punkt der Tour und ordnet ihr Schichten zu. Diese Grenzen sind Faustwerte ohne Primärquelle. Bei zügigem Tempo startet der Planer eine Stufe leichter und erinnert an eine warme Schicht für Pausen. Bei Regen schlägt er immer eine wasserdichte Außenschicht vor.

Grenzen der Rechnung

Sonne, Luftfeuchte, Ihr Körperbau und Ihre Anstrengung fließen nicht ein. Wie schnell Sie frieren, ist individuell; der DAV schreibt, dass Sie Ihr „Wohlfühl-Intervall“ mit den ersten Touren kennenlernen. Bei Wetterumschwung in den Bergen ist laut DAV auch der Abbruch einer Tour eine Option, wenn Kleidung fehlt.

Häufige Fragen

Was ist das Zwiebelprinzip?

Kleidung in mehreren Schichten, die Sie je nach Wetter und Anstrengung an- oder ausziehen. Der DAV unterscheidet Basisschicht, Wärmeschicht und Außenschicht.

Wie viel kälter ist es 1.000 Meter höher?

In der Standardatmosphäre laut DWD 6,5 Kelvin. Bei einer Inversion kann es oben auch wärmer sein.

Warum keine Baumwolle unter der Jacke?

Baumwolle saugt laut DAV Schweiß auf, ohne ihn abzugeben, und unterbricht damit das Schichtsystem.

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